Die Digitale Transformation = die beschleunigte digitale Evolution

In der Industrie haben wir eine beschleunigte digitale Evolution durch Corona erfahren. Das hat in den vergangenen Wochen eine Vielzahl von Prognosen provoziert. Wir sollten die Situation aber mit der gebotenen Distanz und objektiv betrachten.

Vor allem die Technologie Industrie gebraucht seit Jahren den Begriff „Disruption„. Diesem Sprachgebrauch folgend, ist die Covid-19-Pandemie als Disruption zu betrachten – nicht nur für die Tech-Industrie, sondern deren gesamten Kundenbasis – Industrie, Handel, Dienstleister wie öffentliche Hand. Die Karten werden neu gemischt, es wird zweifelsfrei Gewinner wie Verlierer geben.

Auch das wird Thema des  Online-Kongresses rund um die Digitalisierung sein.

 

Kurzfristig ist es offensichtlich, dass die aktuelle Situation vor allem zu zeitlichen Nachfrageverschiebungen führt.

So ist es wahrscheinlicher, dass sich über das Jahr 2020 hinweg Pandemie-Vor- wie Nachteile ausgleichen. Das heißt, die aktuellen Gegebenheiten dürften sich überwiegend in Umsatzverlagerungen widerspiegeln.

Der Jahresgesamtumsatz 2020 dürfte sich – wenngleich einzelne Monate stark variieren – ähnlich zum Vorjahr oder sogar leicht über dem Vorjahresniveau liegen, wenn sich die Situation in den kommenden sechs bis acht Wochen wieder normalisieren sollte.

Alles wird anders – die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch

Die verschiedenen Katastrophen der letzten Jahre:

 

  • Dotcom- und NewEconomy-Blase (2000),
  • Terroranschläge am 11. September (2001),
  • Weltfinanzkrise (2007),
  • Eurokrise (2009),
  • Überschwemmungen in Thailand (2011) oder
  • Fukushima (2011)

zeigen, dass sich unter dem Eindruck wie auch dem Zwang der jeweiligen Ereignisse, Verhalten ändert, diese Veränderungen in vielen Fällen zeitlich aber nur von begrenzter Dauer sind.

Auch wenn die Covid-19 Situation global und umfassender in der Konsequenz sein wird, ist aktuell davon auszugehen, dass wir unser Verhalten nach der Krise mehr punktuell als grundlegend verändern werden. Jegliche Art von (freiwilliger) bleibender Verhaltensänderung folgt einem simplen Prinzip:

  • Überall da, wo wir einen deutlichen Vorteil durch das neue Verhalten erleben, adaptieren sie dieses und behalten es langfristig bei.

  • Überall wo wir diesen Vorteil nicht erleben, kehren wir schnell zum vormals gewohnten Verhalten zurück, suchen nach neuen Verhaltensalternativen oder verhalten uns sogar bewusst gegensätzlich zur Verhaltensänderung

Es ist offensichtlich, dass aktuell eine Vielzahl von Produkten aufgrund mangelnder stationärer Alternativen online bestellt wird. Ob wir das in Zukunft beibehalten, wird sich Produktbereich für Produktbereich separat zeigen. Die Spannbreite reicht hierbei von „werde weiter online kaufen“ bis hin zu „werde wieder bewusst im Shop“ kaufen.

Richtig ist, dass aufgrund von „Social Distancing“ und der damit verbundenen Beschränkungen im privaten wie beruflichen Umfeld eine deutliche Beschleunigung der digitalen Transformation stattfindet: Homeoffice, Remote Access, digitaler Informationszugang, virtuelle Kommunikation und Meetings, virtuelles Training und Lernen u.a. führen dazu, dass weite Bevölkerungskreise erstmalig sehr nachhaltig mit „digitalen Alternativen“ konfrontiert werden.

Adaptions- und Transformationsprozesse für digitale Technologien werden aufgrund der „aufgezwungenen Verhaltensänderung“ stark verkürzt, was mittelfristig zu erheblichem zusätzlichem Investment in digitale Lösungen führen wird. Die aktuell gestiegene Nachfrage nach Technik Produkten ist erst der Anfang! Vor allem Unternehmen werden zeitnah Investitionen in digitales Equipment, Vernetzung und Services vorziehen wie auch beschleunigen. Hiervon wird die gesamte Technik Branche nachhaltig durch zusätzliche Wachstumsimpulse in den Jahren 2020 bis 2022 profitieren.

Beschleunigte digitale Evolution

Jetzt haben die Beratungshäuser die Chance, den unterschiedlichen Digitalisierungsgrad ihrer Kunden zu nutzen. Branchen übergreifend lassen die Unternehmen im Allgemeinen drei Clustern zuordnen:

  • Innovatoren und Early Adopter: Das bisherige pro-aktive, in der Regel unternehmensweite, Investments in Cloud, Vernetzung und Digitalisierung zahlen sich in der aktuellen Krisensituation aus. Sie stabilisieren die Geschäftsprozesse und halten sie weiter am Laufen, das heißt dieser Kundenkreis wird auch in Zukunft aufgrund der gemachten Erfahrungen seine Vorreiterrolle beibehalten und neue Technologien wie in der Vergangenheit sehr schnell bereichsübergreifend adaptieren.

  • Pragmatics und Mainstream: Die Investitionen in Digitalisierung waren tendenziell reaktiv, von fallweisen oder bereichsspezifischen Entscheidungen geprägt, wodurch nun lediglich einzelne Bereiche in der aktuellen Krisensituation deutlich profitieren. Das heißt diese Unternehmen werden ihren zweigeteilten Erfahrungen folgend, einerseits Digitalisierung beschleunigen, andererseits Silo-Implementierungen verstärkt durch unternehmensweite Lösungen ersetzen.

  • Laggards und Late Majority: Es wurde in der Vergangenheit eher zögerlich, stark abwartend oder sehr selektiv in digitale Transformation investiert, was im Vergleich zum Wettbewerb zu größeren Herausforderungen in der aktuellen Situation führt. Das heißt bei diesen Unternehmen ist zu erwarten, dass Technologieadaption in Zukunft deutlich mehr zeitnah und schnell stattfindet. Aktuell werden bereits zusätzliche Investitionen getätigt, um das digitale Defizit zu verringern, diese werden in den kommenden Quartalen weiter andauern.

Welchem Cluster ein Unternehmen auch zugehörig ist, eines ist allen gemeinsam, das Adoptionsverhalten verkürzt sich, Investitionen in digitale Technologien werden ansteigen! Reseller werden in Zukunft – wenn sie geschickt auf die gemachten disruptiven Erfahrungen verweisen – vor allem bei mittelständischen Unternehmen etwas weniger Überzeugungsarbeit im Verkaufsgespräch leisten müssen!

Bei freien Kapazitäten sollten zudem potenzielle Kunden entsprechend ihrer Adaptionsgeschwindigkeit priorisiert werden. Beides reduziert das Risiko von Umsatzausfällen während und in den Wochen nach der Covid-19 Krise signifikant. Für die Technologie Industrie dürfte die aktuelle Krise somit kein Anlass zu größerer Besorgnis sein. Im Gegenteil, Covid-19 und Corona markieren den Beginn einer weiteren lokalen wie globalen Digitalisierungswelle!